Ducati präsentiert die neue Panigale V4 R, die erneut mit starken Einflüssen der WorldSBK auf Rundenzeitenjagd geht.

Die neue Ducati Panigale V4 R ist an den Karbonwinglets und der von der MotoGP inspirierten Lackierung zu erkennen, die weiße Startnummern mit der Nummer 1 integriert. Zum ersten Mal wird das Motorrad in einer nummerierten Serie produziert, bei der die fortlaufende Nummer und der Modellname auf der Lenkerbrücke aus Billet-Aluminium zu sehen sind.

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Ducati Panigale V4 R mit 240 PS im Renntrimm

Das Herz der Panigale V4 R ist der neue 998 ccm große Desmosedici Stradale R-Motor, der im sechsten Gang eine Höchstdrehzahl von 16.500 U/min (16.000 in den anderen Gängen) erreicht und eine maximale Leistung von 218 PS bei 15.500 U/min liefert. Der neue Desmosedici Stradale R liefert trotz aller Verbesserungen eine etwas geringere Leistung als die Vorgängerversion, was auf die Begrenzung durch die Auspuffanlage zurückzuführen ist, die die strenge Euro-5-Homologation erfüllt. Das volle Potenzial des Motors kommt jedoch auf der Rennstrecke zum Tragen, wenn die Akrapovic Auspuffanlage eingebaut wird, der eine Leistung von 237 PS ermöglicht, 3 PS mehr als bei der Vorgängerin.

Doch woher kommen die restlichen 3 PS, um die 240 voll zu machen? Die kommen von einem Spezialöl, das von Shell in Zusammenarbeit mit Ducati Corse entwickelt wurde. Das neue Performance-Öl soll eine 10-prozentige Reduzierung der mechanischen Reibung liefern und zu einer Steigerung der maximalen Leistung um weitere 3,5 PS führen, die am Begrenzer auf +4,5 PS ansteigt. Die Formulierung dieses Öls basiert auf der Verwendung von Rennsport-Additiven, die speziell für Hochdrehzahl-Motoren mit Trockenkupplung entwickelt wurden. Gerade die Trockenkupplung, wie sie in MotoGP- und SBK-Motoren zum Einsatz kommt, ermöglicht die Verwendung von Additiven, die bei einer Ölbadkupplung die Drehmomentübertragung problematisch machen würden. Diese chemischen Elemente werden dem Grundöl in bestimmten Mengen und Prozentsätzen zugesetzt, um das richtige Gleichgewicht zwischen Leistung und Motorschutz zu gewährleisten.

 

Purer Rennsport in den Motorkomponenten

Diese Leistungsahlen sind möglich, weil technische Lösungen aus der Welt des Rennsports zum Einsatz kommen. Zum ersten Mal werden bei einem Motorrad "gun drilled" Pleuelstangen aus Titan verwendet, die in Längsrichtung der Stange gebohrt sind (Loch mit 1,6 mm Durchmesser). Diese Lösung, die den Durchgang von Öl vom Kopf zum schmalen Ende ermöglicht, verbessert laut Ducati die Schmierung und Zuverlässigkeit. Die Kolben der Desmosedici Stradale R erhielten eine DLC-Oberflächenbehandlung (Diamond Like Carbon), eine Lösung, die im MotoGP- und Formel 1-Rennsport eingesetzt wird und die Reibung zwischen Kolben und Laufbuchse verringert und zum ersten Mal bei einem Straßenmotor angewendet wird. Die Kolben haben außerdem eine neue Geometrie, die sie 5 Gramm leichter macht (das entspricht 2 % ihres Gewichts) und so die Trägheitskräfte reduziert.

Weitere Änderungen umfassen ein aggressiveres Profil der Einlassnocken, das sich in dieser Version durch einen größeren Hub (1 mm) auszeichnet und auf neue Höcker mit variabler Länge abgestimmt ist, die in der kurzen Konfiguration um 5 mm reduziert wurden. Diese Modifikation verbessert die Beatmung bei hohen Drehzahlen und erhöht damit die maximale Leistung in der Konfiguration mit Rennauspuff.

Ducati Panigale V4 R mit intensivem WorldSBK Einfluss

Die Panigale V4 R übernimmt die gleichen Übersetzungsverhältnisse, die auch bei den Motorrädern in der WorldSBK-Meisterschaft verwendet werden, wobei der erste (+ 11,6 %), zweite (+ 5,6 %) und sechste Gang (+ 1,8 %) im Vergleich zum Vorgängermodell verlängert wurden. Außerdem ermöglicht der geringere Sprung zwischen dem ersten und dem zweiten Gang, dass der Ducati Quick Shift effektiver arbeiten kann.

Der Desmosedici Stradale R in der 2023er Version ist außerdem mit einer neuen Trockenkupplung ausgestattet, einer Version der Entwicklung, die vom offiziellen Ducati-Team in der WorldSBK eingesetzt wird. Der Durchmesser und die axiale Länge wurden reduziert (-24 mm) und vor allem ist das Gewicht um rund 800 Gramm gesunken.

Elektronikpaket der neuen Panigale V4 R 2023

In der neuen Panigale V4 R kommen die Weiterentwicklungen an der Elektronik zum Einsatz, die bereits bei der Panigale V4 eingeführt wurden. Dazu gehören die Erweiterung und Weiterentwicklung der Power Modes, die neue "Track Evo"-Darstellung am Display, Motorkennfelder mit einer speziellen Kalibrierung für jeden einzelnen Gang, die Verfeinerung der Ducati Traction Control und des Ride By Wire-Systems, aber auch die Übernahme der Engine Brake Control EVO 2.

Konventionelles Fahrwerk in der 2023er V4 R

Um das Fahrgefühl und den Grip zu verbessern, folgt auch das Chassis der Panigale V4 R der Richtung, die die Panigale V4/V4 S mit dem Modell 2022 eingeschlagen hat, und behält dabei die vollmechanische Federungseinstellung bei. Vorne vergrößert die Öhlins NPX25/30 Druckgabel ihren Federweg um 5 mm im Vergleich zur vorherigen V4 R. In Kombination mit dem Öhlins TTX36-Stoßdämpfer und der Einstellungsmöglichkeit des Schwingendrehpunkts auf die +1-Position erhöht sich die Höhe am Heck um 20 mm. Auf diese Weise wird ein höherer Schwerpunkt und damit eine bessere Wendigkeit bei Kurveneingängen und Richtungswechseln erreicht.

Gleichzeitig sorgt der längere Federweg der Gabel dafür, dass das Vorderrad auch dann den Kontakt zum Asphalt behält, wenn beim Beschleunigen eine stärkere Lastübertragung nach hinten stattfindet, während die Position des Schwingendrehpunkts den Anti-Squat-Effekt verstärkt.

Ducati Panigale V4 R mit neuem Aerodynamik-Paket

Auch die Form des Supersportlers wurden optimiert: Der Tank aus gebürstetem Aluminium fasst nun 17 Liter und hat ein Profil, das Arme und Beine des Fahrers beim Bremsen und in Kurven besser unterstützt. Zu den Änderungen am Tank gesellt sich ein flacherer Sattel mit weniger Schaumstoff. Bei der Panigale V4 R wurde auch das Aerodynamikpaket im Hinblick auf eine höhere Effizienz überarbeitet: Die neuen zweiteiligen Flügel (Haupt- und Klappenflügel) sind kompakter und dünner (um 40% bzw. 50%).

Um die Kühlung des Motors zu verbessern wurde die Verkleidung im unteren Bereich verändert und entspricht den Vorschriften der Superbike-Weltmeisterschaft. Außerdem befindet sich im unteren Teil auf der linken Seite ein Lufteinlass, um den Sensor des Ducati Quick Shift zu kühlen.